35 Jahre Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.V.

Die Keimzelle unseres Heimatvereins liegt in Hellersdorf. Es war der damalige Leiter der „Hellersdorfer Bezirkschronik“, Dieter Winkler, der sich in den Jahren 1989/90 bemühte, der heimatgeschichtlichen Arbeit einen neuen Auftrieb zu geben. Dabei konnte er die Erfahrungen der vorherigen Interessengemeinschaft für Denkmalpflege und Heimatgeschichte beim Kulturbund der DDR nutzen. Es galt, eine möglichst breite ehrenamtliche Mitwirkung interessierter Bürger zu erreichen. Mit Unterstützung der Öffentlichkeit gelang es bereits 1990, die Voraussetzungen für die Konstituierung eines Heimatvereins als unabhängige Interessengemeinschaft von Bürgern des Bezirks auf dem Gebiet der Heimat- und Regionalgeschichte zu schaffen. So konnte am 21. Januar 1991 der „Heimatverein Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf e.V.“ gegründet werden. 19 Anwesende erklärten ihre Mitgliedschaft, beschlossen eine Satzung, wählten einen Vorstand und legten die Ziele und ersten Aufgaben fest. Zum Vorsitzenden wurde der Elektroingenieur Dr. Friedrich Wilhelm Bretschneider gewählt.

Von Anbeginn war es das Anliegen des Vereins, Heimatgeschichte und damit ein Geschichtsbewusstsein zu vermitteln. Dem dienten eine kontinuierliche Vortragstätigkeit und die Veranstaltung kulturgeschichtlicher Führungen ebenso wie die gemeinsam mit der Bezirkschronik erfolgte Herausgabe von Publikationen zu Themen der Heimatgeschichte und die Mitwirkung bei den „Tagen der Denkmalpflege und Heimatgeschichte“, die Durchführung von Exkursionen zu historischen Stätten innerhalb und außerhalb des Bezirkes.

Der Verein nahm auch Stellung zu aktuellen Problemen der Heimatgeschichte und Denkmalpflege, brachte eigene Vorschläge bei den politischen Entscheidungsträgern im Bezirk ein.

Vom Heimatverein gingen die Initiativen aus, die Ortsjubiläen 650 Jahre Mahlsdorf (1995), 10 Jahre Bezirk Hellersdorf (1996) und 650 Jahre Kaulsdorf (1997) würdig zu begehen. Drei Postkartenkalender und zwei von den aus diesen Anlässen erschienenen Festschriften wurden vom Heimatverein herausgegeben.

Nach reichlich zehnjähriger Tätigkeit konnte der „Heimatverein Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf.“ eine sehr erfolgreiche Bilanz seiner Tätigkeit ziehen. Seine Mitgliederzahl hatte sich auf 63 Personen mehr als verdreifacht.

Mehr als 100 Vorträge wurden auf öffentlichen Veranstaltungen gehalten sowie über 20 Exkursionen bzw. kulturhistorische Führungen organisiert und eine beachtliche Publikationsarbeit geleistet.

Es wurden zehn Heimathefte, sieben Heimatbriefe, drei Heimatkalender, zwei Festschriften und ein Kunstführer vorbereitet und herausgegeben. Weit über 100 Beiträge von Mitgliedern des Heimatvereins sind in der regionalen Presse erschienen. Maßgeblich mitgewirkt haben Mitglieder des Heimatvereins an Buchpublikationen sowie an Ausstellungen im Bezirksmuseum.

Einen Arbeitsschwerpunkt sah der „Heimatverein Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf“ auch in der Denkmalpflege. Eine von ihm aktiv unterstützte Aktion war die Wiederherstellung der Turmspitze der Kaulsdorfer Jesuskirche, die 1999 dank bürgerschaftlichen Engagements und Spenden von etwa 500.000 DM aufgesetzt werden konnte.

Auf den Tag genau sieben Jahre nach der Gründung des Hellersdorfer Heimatvereins, am 21. Januar 1998, wurde der Förderverein für das Heimatmuseum, der spätere Heimatverein Marzahn, gegründet. Dem ging es zunächst darum, durch einen denkmalgerechten Umbau des Schulgebäudes auf dem Anger in Alt-Marzahn ein Haus für das damalige Heimatmuseum Marzahn zu schaffen und mitzuhelfen, dieses zu einem Zentrum der Heimatgeschichte und Stätte anregender Ausstellungen zu entwickeln. Unter dem Vorsitz des Architekten und Bauhistorikers Dr. Günter Peters wurde Überragendes zur Unterstützung des Bauvorhabens geleistet. Durch die Aktion „Ein Stein für das Heimatmuseum“ wurden 122.918,26 DM an Geld- und Sachspenden und 495.483 DM an ABM-Leistungen aufgebracht. Diese Leistungen waren eine wesentliche Voraussetzung, dass bereits am 11 September 1999 das Haus als Museum eröffnet werden konnte.

Auch dieser Verein verstand sich von Beginn an als bezirklicher Heimat- und Geschichtsverein und beteiligte sich mit vielen Aktivitäten an großen gesellschaftlichen Ereignissen, wie dem 20. Jahrestag der Gründung des Bezirkes Marzahn (1999) und den Dorfjubiläen 625 Jahre Biesdorf und 700 Jahre Marzahn (2000). Hinzu kamen ab dem Jahre 2001 die „Tage der Regional und Heimatgeschichte“, eine Reihe von Publikationen zur Orts- und Regionalgeschichte und nicht zuletzt die aktive Mitwirkung an der Ausstellungs- und Vortragstätigkeit des Bezirksmuseums.

Die Fusion der beiden Bezirke Marzahn und Hellersdorf im Zuge der Berliner Verwaltungsreform führte auch zur Zusammenführung des „Heimatvereins Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf e. v“. mit dem „Heimatverein Marzahn e. V“. Nach ½ jähriger Zusammenarbeit erfolgte im Jahre 2002 der Zusammenschluss zum heutigen „Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e. V“. Damit war in dem 2001 geschaffenen Großbezirk Marzahn-Hellersdorf eine starke gesellschaftliche Kraft auf dem Gebiet der Regional- und Heimatgeschichte entstanden. Zum Vorsitzenden des Vereins wurde Dr. Günter Peters, zum Ehrenvorsitzenden Dr. Friedrich Wilhelm Bretschneider gewählt.

Dr. Günther Peters hat sich große Verdienste um den Wiederaufbau des Biesdorfer Schlosses erworben. Im Jahr 2002 begann die denkmalgerechte Sanierung des als Stadtteilzentrum genutzten Gebäudes auf Initiative des Vereins Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V., dessen Vorsitzender Dr. Peters war. Die Neueröffnung fand am 9. September 2016 statt. Für Dr. Günther Peters ist eine Büste am 11. August 2018 im Schloss eine von Bildhauer Michael Klein geschaffene Büste aufgestellt worden.

Von 2006 bis 2024 war der Studienrat Wolfgang Brauer Vorsitzender des Vereins. Unter seiner Leitung hat der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e. V. ein starkes gesellschaftliches Engagement entwickelt. Ihm ist dafür besonders zu danken. Er wurde am 6.12.2024 mit dem Ehrenamtspreis des Bezirksamtes ausgezeichnet. Ab 2024 ist Olaf Michael Ostertag Vorsitzender des Heimatvereins. Der Verein führt die die bewährten Formate der Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen in Stadtteilzentren und im Bezirksmuseum fort. Die Tage der Regional- und Heimatgeschichte widmeten sich jeweils einem regionalgeschichtlichen Thema. In der Publikationsreihe „Beiträge zur Regionalgeschichte“ wurden insgesamt 15 Broschüren veröffentlich.

Ab 2019 werden als neues Format die „Historischen Jahrbücher Marzahn-Hellersdorf“ herausgegeben Diese Reihe nimmt neben den Themen der Tage der Regional- und Heimatgeschichte auch andere Beiträge aus dem bezirklichen und regionalen Geschichtsumfeld auf.

Seit 2006 lädt der Heimatverein jährlich die regionale Presse sowie seine Partner zu einem Pressegespräch ein. Diese Form der Öffentlichkeitsarbeit hat sich sehr bewährt. Über die Regionalpresse werden Informationen zur Vereinsarbeit und Probleme des Vereins in die Öffentlichkeit gebracht.

Der Heimatverein stellt jährlich eine Übersicht von Jahrestagen von Ereignissen der Bezirksgeschichte zusammen, die historisch Interessierten im Internet zur Verfügung steht sowie der Presse und dem Bezirksamt als Anregung für die heimatgeschichtliche Arbeit zugeleitet wird.

Mitglieder des Heimatvereins veröffentlichen Beiträge zur Regionalgeschichte in den lokalen Medien oder unterstützen diese inhaltlich dabei. Monatlich organisiert der Verein das „Historische Kalenderblatt“ für die Veröffentlichung in der jod w.d.

Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.V. hat eine intensive und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Bezirksmuseum unter Leitung von Frau Ifland als eines seiner wichtigsten Anliegen betrachtet. Jahrelang und im Ergebnis erfolgreich hat sich der Verein energisch dafür eingesetzt, dass die frühere Heinz-Lüdecke-Bibliothek in Alt-Marzahn zum Standort für die Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirkes umgebaut wird. Dass dieses Gebäude 2012 als neuer Museumsstandort eröffnet werden konnte ist nicht zuletzt dem Verein zu verdanken. Neue Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen des Bezirksmuseums wurden mit aktiver Mitwirkung von Mitgliedern des Heimatvereins erarbeitet bzw. durchgeführt.

Der Heimatverein war und ist in der 2006 gebildeten Kommission bezirkliche Gedenkorte vertreten, die das Bezirksamt in Fragen des Umgangs mit den Gedenkorten im Bezirk berät. Der Verein ist auch selbst auf dem Gebiet der Gedenkkultur im öffentlichen Raum aktiv. So wurde 2005 anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung eine Brücke über die Wuhle nach dem sowjetischen Generaloberst und ersten Stadtkommandanten der Stadt Berlin Nikolai Bersarin benannt. Die Brücke befindet sich etwa an der Stelle, an der am 21. April 1945 die ersten sowjetischen Soldaten der 5. Stoßarmee unter Bersarin die Stadtgrenze Berlins erreichten.

Auf Initiative des Vereins wurden in Biesdorf für den Schauspieler und Regisseur Eduard von Winterstein 2011 und den Maler Hans Brass 2015 Berliner Gedenktafeln eingeweiht. Durch eine vom Verein tatkräftig unterstützte Spendenaktion konnte im November 2013 in Kaulsdorf eine neue Berliner Gedenktafel für Pfarrer Heinrich Grüber anstelle der Anfang 2012 durch Vandalismus zerstörten enthüllt werden. Der Verein initiierte zudem einen Gedenkort für das NS-Zwangsarbeiterlager Kaulsdorfer Straße 90, der im April 2014 im Rahmen des Gedenkjahres „Zerstörte Vielfalt“ eingeweiht wurde.

Ein festes Datum nicht nur im bezirklichen, sondern auch im Gedenkkalender, ist das „Stille Gedenken“ auf dem Parkfriedhof Marzahn, das an der vom Heimatverein mit initiierten Stele für die Zwangsarbeiterinnen seit deren Enthüllung 2004 jährlich anlässlich des „Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ und des „Internationalen Holocaust-Gedenktages“ stattfindet.

Der Verein präsentiert sich und seine Arbeit auf den lokalen Festen in Marzahn, Biesdorf und Kaulsdorf. Seit 2018 ist der Verein Träger des Alt-Kaulsdorfer Weihnachtsmarktes, der seit Jahren von einer Gruppe von Anwohnerinnen und Anwohner ehrenamtlich organisiert wird.

Im September 2025 hat der Verein die Betreuung der Museumswohnung in Hellersdorf an Sonntagen in der Zeit von 14.00 bis 16.00 übernommen.

Der Heimatverein hat im September 2025 sein Archiv in die Lily-Braun-Str. 77 in 12619 Kaulsdorf verlegt.

Das Ziel des Heimatvereins war, ist und bleibt die Förderung heimat- und regionalgeschichtlicher Aktivitäten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf mit seinen Ortsteilen. Für uns ergibt sich daraus die Aufgabe, Geschichte und Leben der Menschen in den fünf Dörfern und in den Großsiedlungen zu erforschen und bekannt zu machen. Regionalgeschichtliches Wissen liefert keine Rezepte für gegenwärtig und künftig anstehende Entscheidungen. Es bringt aber Erfahrungen hervor, die bei der Lösung von gegenwärtigen und künftigen Aufgaben sowie für das Selbstbewusstsein der Menschen hilfreich sein können. In dem Sinne wollen wir auch weiter im Interesse unserer Mitglieder und der Bürgerinnen und Bürger im Bezirk arbeiten.

Am 27. November 2025 wurde in der Hellersdorfer Arche dem Heimatverein der Kiezmacher Award der CDU Marzahn-Hellersdorf verliehen. Mit diesem Preis werden Personen, Initiativen und Vereine geehrt, die mit ihrem Einsatz den Bezirk täglich bereichern.