Tag der Regional- und Heimatgeschichte am 11.10.2025

 
Unser diesjähriger Tag der Regional- und Heimatgeschichte fand wieder im Bezirklichen Informationszentrum (BIZ) statt,  46 interessierte Gäste nahmen teil. Unter ihnen waren auch der Vorsitzende des Vereins Freunde der Gärten der Welt, Gerhard Pritzlaff, und der Vorsitzende des Vereins Freunde Schloss Biesdorf, Gernot Zellmer, sowie der frühere Vorsitzende unseres Vereins, Wolfgang Brauer. Frau Bürgermeisterin Nadja Živković, Bundestagsabgeordnete Frau Katalin Gennburg und der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung, Herr Stefan Suck, mussten leider ihre zugesagte Teilnahme absagen. Frau Živković und Frau Gennburg übermittelten uns Grußworte.

Unser Programm war diesmal bewusst als „größtmöglicher Bogen“ konzipiert, um  eine Ahnung davon zu vermitteln, wie lange schon menschliche Siedlungen in unserer Gegend existieren, und wie weit der Blick reichen müsste, wenn die Geschichte und Gegenwart komplett erfasst werden soll, wie zum Beispiel bei der Konzeption einer neuen Dauer-ausstellung des Bezirksmuseums.

Ralf Miltenberg hatte seinen Vortrag mit Prähistorisches Wasser und neuzeitlicher Spiritus. Die Grabungen am ehemaligen Rittergut Biesdorf überschrieben. Bevor die „Stadt und Land“ mit ihren Neubauten von 500 Wohnungen auf dem ehemaligen Gut Biesdorf beginnen konnte, hatten 2017-2018 archäologische Grabungen durch die Firma „archäologie bnb“ stattgefunden. Bei den Ausgrabungen wurden Funde aus der Spätbronzezeit, sowie die älteste Bebauung aus der frühen Neuzeit für das 17. Jahrhundert festgestellt. Außerdem Funde aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Dr. Renate Schilling sprach über „Die Entstehung unserer Dörfer im Hochmittelalter“. Auf dem Gebiet unserer 5 Dörfer Biesdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Marzahn siedeln seit ca. 9000 Jahren Menschen, zahlreiche Fundstellen von der Jungsteinzeit bis zur slawischen Besiedlung legen davon Zeugnis ab. Unsere jetzigen Dörfer entstanden im Zuge der sogenannten deutschen Ostexpansion bzw. Kolonisation seit Beginn des 13. Jahrhunderts. Schilling verdeutlichte, welche Aussagen für unsere Dörfer aus archäologischen und frühen schriftlichen Quellen, wie Besitzurkunden und dem Landbuch Karls IV. von 1375 getroffen werden können.

Karl-Heinz Gärtner zeigte in seinem Vortrag „Der Weg nach Groß-Berlin von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1920“ an Beispielen, welche Beziehungen es bereits vor 1920 zwischen Berlin und unseren Dörfern gab. Auch die Zugehörigkeit der einzelnen Dörfer zu Landkreisen und Verwaltungsbezirken wechselte schon zuvor häufiger, und die Frage, ob der Eingemeindung nach Berlin zugestimmt werden sollte, war durchaus umstritten.

Klaus Leutner informierte in „Der Parkfriedhof Marzahn in der Zeit der Naziherrschaft. Vom Heldenbegräbnis bis zum Massengrab für Zwangsarbeiter“ sehr eindrucksvoll und berührend über die Ergebnisse seiner Recherchen, Gräbern auf dem Parkfriedhof Einzelschicksale zuzuordnen und vergessenen Opfern Gesicht oder Namen wiederzugeben.

Gerhard Pritzlaff spannte den Bogen „Von der Berliner Gartenschau zu den Gärten der Welt“: Was wurde und konnte in den erst später so bezeichneten „Gärten der Welt“ bereits im Rahmen der Errichtung der Großsiedlung Marzahn bis zum Ende der DDR geschafft werden, und wie entstanden nach 1990 von den ersten Ideen zu einzelnen Themen- und Ländergärten schließlich die „Gärten der Welt“ als ein Ort der Vielfalt im sowohl internationalen als auch interreligiösen Sinne.

Adam Page beleuchtete in „Vom Abriss über Brachen zur Schule der Zukunft“ ein Kapitel der Bezirksgeschichte, das unter dem Namen „Stadtumbau Ost“ zum Abriss von zahlreichen Schulen und Kitas auch in Hellersdorf geführt hat. Nachdem auf den Brachen grüne Oasen entstanden waren, werden nun auf ehemaligen Schulstandorten wieder neue Schulgebäude errichtet. Mit Studenten der ASH sind dafür Konzepte für eine „Schule der Zukunft“ entwickelt worden. Zum Teil werden diese im neuen Gymnasium an der E.-Kästner-Str. bereits umgesetzt. In einer Schule ohne Flur treten an dessen Stelle offene Bereiche, aber auch Rückzugsräume.

Prof. Dr. Wolf R. Eisentraut sprach über die „Sanierung Altes Rathaus Marzahn – Rückblick und Ausblick“ und ging auf die Projektierung und den Bau des Rathauses Marzahn ein. Durch den kreativen Umgang auch mit vorgefertigten Elementen entstand hier ein Unikat, das mit gutem Grund unter Denkmalschutz steht. Die Fassade und der Eingangsbereich sollen bei der Sanierung erhalten bleiben. Der Ratskeller wird erhalten, aber ohne Küche nicht als Restaurant und auch nicht für die Nutzung als Kunstort zur Verfügung stehen.

Der letzte Vortrag von Daniel Heimbach, „‘Urban Authenticity‘ Marzahn-Hellersdorf“ konnte leider wegen kurzfristiger Verhinderung des Referenten nicht gehalten werden. Hier sollte es um einen ganz persönlichen Blick auf belebte Straßen, Menschengewimmel und eine dichte Bebauung gehen: Bestimmte Orte, Objekte und Praktiken schaffen eine urbane Aura und machen einen Bezirk einzigartig. Es sind Grundrisse, historische Gebäude, öffentliche Plätze, Verkehrsstationen, Parks oder die soziale Atmosphäre, die einen Bezirk als unverwechselbar erscheinen lassen. Der Vortrag wird nachgereicht und als Buchbeitrag im „Historischen Jahrbuch 2025“ veröffentlicht werden, wie auch alle anderen Referate dieses Tages.

Zu den einzelnen Beiträgen gab es zahlreiche Anfragen und auch längere Meinungsäußerungen, z.B. zum Abriss von Schulen und Kitas beim Thema „Schule der Zukunft“, oder zur Frage, ob die „Gärten der Welt“ auch für neue Bürgerinnen und Bürger des Bezirkes ein Ort der Begegnung sind.

In seinem Schlusswort bedankte sich Olaf Michael Ostertag bei den Mitarbeitern des BIZ für die gute Betreuung, bei allen Vortragenden und Anwesenden für ihr Engagement für die bezirkliche Geschichte, sowie bei den unermüdlichen Mitgliedern
des Vereinsvorstandes für die gelungene Organisation.

Text: Olaf Michael Ostertag                                                                                                                                       Fotos: Karl-Heinz Gärtner und Lutz Gutsche